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Knochenmarktransplantation
Die Blutgruppe ist für eine Typisierung nicht relevant !!!
Bei einer Typisierung werden die Gewebemerkmale des Spenders festgestellt. Hierfür gibt
es keine festen Einrichtungen wie z.B. bei Blutspenden - darum sind im Moment nur
~ 1,3 Millionen Deutsche Erwachsene typisiert. ("sehr wenig !")
Was ist Knochenmarkstransplantation (KMT)?
Die Übertragung des Knochenmarks von einem gesunden Spender auf einen Patienten heißt
Knochenmarktransplantation. Dabei sei darauf hingewiesen, daß hierbei nicht das Rückenmark,
wie von vielen fäschlicherweise angenommen, sondern das Knochenmark transplantiert wird.
Knochenmark und Rückenmark sind verschiedene Teile des menschlichen Körpers, die nichts
gemeinsam haben. Eine Knochenmarktransplantation kann bei bösartigen Blutkrankheiten,
wie z.B. bei einigen Leukämiearten notwendig für die Heilung sein. Grundsätzlich kommt
eine KMT für Patienten mit AML und CML sowie für einige mit ALL und CLL in Frage.
Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Transplantation ist u.a. das Erreichen einer
Remission durch eine vorhergehende Chemotherapie eine genaue Übereinstimmung der sogenannten
HLA-Gewebemerkmale (HLA= Humane Leukozyten-Antigene) zwischen Spender und Empfänger. Sollte
kein passender Spender gefunden werden, wird versucht dem Patienten durch andere
Behandlungsformen (Chemo- oder Strahlentherapie) zu helfen. Die Heilungschance ist in einem
solchen Fall jedoch weitaus geringer. In manchen Fällen ist ein Heilung ohne Transplantation
unmöglich.
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Wie wird ein geeigneter Spender gesucht?
Die Suche nach einem geeigenten Spender beginnt unter Familienangehörigen, wobei die Eltern
wegen der biologischen Vererbungswege so gut wie nie als Knochenmarkspender für ihr krankes
Kind in Frage kommen. Bei Geschwistern beträgt die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung
dagegen 25%. Eine ideale Spender/Empfänger-Kombination wären eineiige Zwillinge. Wenn die
Suche in der engeren (Geschwister) oder erweiterten Familie (z.B. Cousines und Cousinen)
erfolglos ist, wird sie auf nichtverwandte ausgedehnt. Die Wahrscheinlichkeit, daß
nichtverwandte Personen den gleichen Gewebetyp haben, liegt wegen der riesigen Anzahl der
Kombinationsmöglichkeiten der HLA-Antigene, zwischen 1 : 30.000 bis 1 : 1 Million. Wegen
dieser geringen Wahrscheinlichkeit ist es nötig, eine möglichst große Anzahl freiwilliger
Knochenmarkspender zu gewinnen. Um dies zu realisieren wurden in Deutschland mehrere
Spenderzentralen eingerichtet, die im Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland
GmbH (ZKRD) in Ulm zusammengefaßt sind.
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Wer kann Knochenmarkspender werden?
Als Knochenmarkspender kann sich jede gesunde Person im Alter zwischen 18 und 55 Jahren zur
Verfügung stellen. Der Spender sollte einen guten Allgemeinzustand haben und darf auf keinen
Fall HIV-infiziert sein. Auch sollte er nicht bestimmte Infektionskrankheiten wie z.B.
Tuberkulose, Hepatitis, ansteckende Gelbsucht und Malaria durchgemacht haben bzw. zur Zeit
daran erkrankt sein. Zusätzliche Ausschlußkriterien sind u.a. Erkrankungen von Herz und
Kreislauf, Leber, Immunsystem, Diabetes und Krebs. Der Spender sollte auch nicht mehr als
20% Übergewicht haben. Die Entscheidung darüber wird von den Fachärzten im Einzelfall
getroffen. Am wichtigesten für eine Spende ist jedoch die Übereinstimmung der Gewebemerkmale
(HLA) von Spender und Empfänger.
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Wie erteile ich mein Einverständnis?
Zusammen mit der Abgabe einer ersten Blutprobe von ca. 5ml, die beim Hausarzt oder in einem
Krankenhaus durchgeführt werden kann, unterschreibt der Spender eine Einverständniserklärung.
Aus der abgegebenen Blutprobe wird zunächst - u.a. aus Kostengründen - nur ein Teil der
HLA-Gewebemerkmale bestimmt. Die Einverständniserklärung bezieht sich zunächst auf die
grundlegende Bereitschaft zur freiwilligen Knochenmarkspende und auf die Speicherung der
persönlichen Daten und der HLA-Gewebemerkmale. Sie beinhaltet außerdem die Zustimmung zur
Weitergabe dieser Daten in anonymisierter Form (d.h. die persönlichen Daten werden durch
eine Kennziffer ersetzt, die keinen Rückschluß auf die Person ermöglicht) an nationale und
internationale Transplantationszentren bzw. Knochenmarkspender-Dateien. Formulare für die
Einverständniserklärung kann man z.B. bei der
DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige GmbH) anfordern. Anonymität wird
auch zwischen Spender und Empfänger gewahrt; sie kann frühestens nach Ablauf eines Jahres
im gegenseitigen Einverständnis aufgehoben werden.
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Wie geht es weiter, wenn in einer Datei ein passender Spender
gefunden wird?
Wenn in einer Spenderdatei Übereinstimmungen der gespeicherten HLA-Werte mit denen des
Patienten gefunden werden, wird der entsprechende Spender zu einer zweiten Blutprobe
gebeten. Aus dieser zweiten Blutprobe werden weitere HLA-Merkmale typisiert. Wenn auch die
zweite Untersuchung Identität zwischen Spender- und Empfängermerkmalen zeigt, wird in einer
dritten Stufe mit Hilfe weiterer, spezieller Labormethoden der Kreis der evtl. in Betracht
kommenden Spender weiter eingeengt. Gleichzeitig werden jetzt die Spender um ihr
Einverständnis zur Testung auf bestimmte Viruserkrankungen wie HIV und Gelbsucht gebeten.
Bis zu diesem Zeitpunkt besteht noch keine bindende Verpflichtung für einen Spender.
Ein Spender kann sich aus vielen Gründen gegen eine Transplantation aussprechen. Gründe
können z.B. Krankheit, die Risiken des Eingriffs selbst oder einfach Angst sein. Jede
persönliche Entscheidung, die ein Spender trifft wird respektiert. Erteilt der Spender
seine Zusage, beginnt für den Patienten die Vorbereitungsphase für die
Knochenmarktransplantation und ein Rücktritt von dieser Zusage ist nicht mehr möglich.
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Wie wird das Knochenmark entnommen?
Der Spender wird einige Wochen vor der Spende gründlich untersucht, um seinen guten
gesundheitlichen Zustand sicherzustellen. Dies dient dazu den Eingriff für den Spender
möglichst risikolos zu machen. Etwa zwei Wochen vor der Spende wird ihm Blut für eine
Eigenblutkonserve entnommen, um damit den auftretenden Blutverlust während der
Knochenmarkentnahme auszugleichen. In der Regel wird der Spender einen Tag vor dem Eingriff
in das Krankenhaus aufgenommen. Das Knochenmark wird unter Vollnarkose durch Punktion mit
einer Hohlnadel aus dem Beckenknochen (Beckenkamm) gewonnen. Im allgemeinen genügen dazu
zwei kleine Schnitte oder Einstiche in die Haut im Bereich des Beckenknochens. Diese
kleinen Schnitte werden nach der Entnahme mit wenigen Stichen genäht. Der gesamte Eingriff
dauert etwa 1 Stunde. Es wird dabei höchstens 1,5 Liter Knochenmark-Blutgemisch entnommen,
was einem geringen Anteil des gesamten Körperknochenmarks entspricht. Das entnommene
Knochenmark wird vom Körper schon nach ca. 2 Wochen wieder ersetzt. Wegen der möglichen
Narkose-Nachwirkungen und zur Versorgung der Entnahmestelle, bleiben die Spender gewöhnlich
bis zum auf den Eingriff folgenden Tag im Krankenhaus und werden dann in der Regel nach
Hause entlassen. Eine neue ambulant durchführbare Methode der Stammzellgewinnung ist die
Separation aus dem Blutkreislauf, die auf Wunsch des Spenders erfolgen kann. Dabei werden
Blutstammzellen des Spenders nach Mobilisierung durch ein Stammzell-Hormon (G-CSF) in
einem Zellseparator gesammelt. Dieser Vorgang ist dem einer Blutplättchen-Spende sehr
ähnlich, dauert etwa vier Stunden und wird an 2-3 Tagen durchgeführt.
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Gibt es Risiken für den Spender?
Es darf nicht verschwiegen werden, daß nicht jegliches Risiko für den Spender ganz
ausgeschlossen werden kann. Da die Entnahme des Knochenmarks unter Vollnarkose geschieht,
besteht das übliche Narkoserisiko. Da zwei kleine Schnitte oder Einstiche gemacht werden,
um das Knochenmark zu entnehmen, gibt es die Möglichkeit von Infektionen. Nach dem Eingriff
können Übelkeit aufgrund der Narkose und Wundschmerzen auftreten. Der Spender ist für die
Knochenmarktransplantation versichert und es werden ihm alle entstehenden Unkosten, wie
z.B. Verdienstausfall und Reisekosten, von der Krankenkasse des Patienten erstattet. Eine
Vergütung für die freiwillige Knochenmarkspende selbst wird nicht gewährt.
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Wie wird die Transplantation durchgeführt?
Ist ein geigneter Spender gefunden, wird der Patient ungefähr zwei Wochen vor dem
Transplantationstermin stationär in die Klinik aufgenommen. Dort werden zunächst
diagnostische Untersuchungen durchgeführt. Eine Woche vor der Transplantation wird der
Patient auf eine keimarme Intensivstation verlegt. Dort beginnt die eigentliche
Vorbereitungsphase, d.h. es wird für den Patienten eine erneute Chemotherapie
(Konditionierung) notwendig. Diese muß so aggresiv sein, daß das kranke Knochenmark
vollständig zerstört wird. Außerdem wird u.U. noch eine Ganzkörperbestrahlung durchgeführt,
um die höchste Wahrscheinlichkeit eines blastenfreien Körpers zu erreichen. Der Patient
braucht nun das gesunde Spendermark, da er ohne dieses nicht weiterleben kann. In der auf
die Therapien folgende Zeit der Aplasie wird nun die eigentliche Knochenmarkstransplantation
eingeleitet. Dazu wird dem Spender einmalig unter Vollnarkose Knochenmark entnommen. Nach
Aufbereitung des Knochenmarks wird es dem Empfänger, der inzwischen in ein speziell
ausgestattetes, besonders keimarmes Zimmer verlegt wurde, unmittelbar langsam in die Vene
gegeben. Die transplantierten Knochenmarkzellen werden im Blutstrom transportiert, nisten
sich dann von selbst im Knochenmark des Patienten ein und beginnen, neue, gesunde Blutzellen
zu bilden. Dieser Vorgang ist für der Patienten schmerzfrei. Um die Gefahr von Infektionen
so gering wie möglich zu halten, bleibt der Patient ca. 4 Wochen in der Isoliereinheit.
Danach kann er in ein Einzelzimmer verlegt und entsprechend dem Genesungsverlauf nach
Hause entlassen werden. Es darf nicht verschwiegen werden, daß es bei Transplantationen,
insbesondere bei allogenen, eine Reihe von Komplikationen auftreten können. Neben der eher
seltenen Gefahr eines Nichtanwachsens des Transplantates, besteht die Möglichkeit, daß die
mit dem Transplantat übertragenen Immunzellen ihrerseits den Körper als fremd erkennen und
angreifen. Diese Reaktion wird als Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (graft vs host
disease, GvHD) bezeichnet. Betroffen sind dabei hauptsächlich Haut, Leber und Darm. In
der Regel kann diese Komplikation gut behandelt werden. Teilweise ist sie sogar erwünscht
und zwar, wenn sich die Zellen gegen eventuell im Körper verbliebene Leukämiezellen richtet
und diese möglicherweise entfernt. Es ist jedoch auch möglich, daß die Reaktion
fortschreitet und lebensbedrohlich wird, bzw. das Auftreten anderer bedrohlicher
Komplikationen begünstigt. Um das Auftreten einer GvHD zu verhindern oder um die Schwere
der Reaktion zu mildern, wird nach einer allogenen Transplantation eine medikamentöse
Behandlung durchgeführt, die die Funktionen des Immunsystems hemmen.
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Was ist nach der Transplantation zu beachten?
Nach der Transplantation muß der Patient für längere Zeit, also auch nach der Entlassung
aus dem Krankenhaus, Medikamente einnehmen, die mögliche Abstoßungsreaktionen des fremden
Knochenmarks verhindern sollen. Bis das körpereigene Abwehrsystem wieder völlig intakt ist,
dauert es etwa ein Jahr. In den ersten drei Monaten nach der Übertragung, aber auch danach
ist der Patient für Infektionen anfälliger als andere Menschen. Auch sind früher erworbene
Grundimpfungen (z.B. Tetanus, Polio, Pocken, etc.) nach der Transplantation verloren und
müssen nach angemessener Zeit durchgeführt werden (Impfempfehlungen nach KMT). Deshalb
gelten für den Patienten einige Verhaltensregeln, die das Infektionsrisiko vermindern
helfen. Der Patient sollte direkte Sonnenbestrahlung vermeiden. Bei Aufenthalt im Freien,
sollte auch bei bedecktem Himmel ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (10-20)
verwendet werden. Direkter Kontakt mit Tieren, Pflanzen und Pflanzenerde sollte vermieden
werden. Haustiere und Zimmerpflanzen sollte man für eine angemessene Zeit "ausquatieren".
Größere Menschenansammlungen, wie sie z.B. im Kino, in Freibädern, in Restaurants und
Badeseen vorkommen, sollte man meiden. Gründliche Körperhygiene ist ein Muß. Bei der
Ernährung sind bestimmte Vorschriften zu beachten, die je nach vorliegenden Gegebenheiten
und Transplantationszentren unterschiedlich sein können.
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Nabelschnurblut (Plazenta-Restblut) als Transplantat
Jüngste klinische Erfahrung haben gezeigt, daß Nabelschnurblut, auch Plazenta-Restblut
genannt, bei der Transplantation von Stammzellen, die auch bei der
Knochenmarktransplantation übertragen worden, eine hervorragende Möglichkeit zur
Heilung von Blutkrankheiten, also auch von Leukämie, darstellt. Zum Zeitpunkt der Geburt
hat das Blut in der Nabelschnur einen hohen Anteil an Stammzellen, wie sie für
Transplantationen zur Behandlung von Blutkrankheiten benötigt werden. Die von Anfang an
guten Ergebnisse aus über 50 durchgeführten Nabelschnurbluttransplantationen im
Familienumfeld zwischen Geschwistern haben die Wissenschaftler ermutigt, Stammzell-Banken
aus unverwandtem Nabelschnur-Restblut anzulegen, weil dieses deutliche Vorteile gegenüber
Knochenmark als Stammzelltransplantat aufweist:
- Das Nabelschnur-Restblut aus der Placenta ist regelmäßiges Abfallprodukt der
Entbindung und wurde früher routinemäßig verworfen. Damit steht Nabelschnurblut eigentlich
im Übermaß zur Verfügung
- Die Tatsache, daß im Nabelschnurblut kaum übertragbare Infektionskrankheiten
vorhanden sind
- Die Schnelligkeit der Suche (Internet) und physischen Vermittlung eines Transplantats,
da anders als bei den Knochenmarkspenderdateien nicht nur die Daten gespeichert, sondern
die einsatzbereiten Transplantate eingelagert sind. Dies ist besonders in solch klinischen
Situationen wichtig, in denen keine Zeit für eine Wochen bis Monate erfordernde
Knochenmarkspendersuche zur Verfügung steht.
- Die deutlich geringere Gefahr eines Abstoßungsoffektes (GvH - Graft versus
Host-Krankheit) ist sogar gegeben, wenn keine vollkommene Gewebeübereinstimmung
zwischen Spender und Empfänger vorliegt (HLA mismatch)
- Nabelschnurblut ist besonders geeignet für die Vermehrung der Stammzellen auch
außerhalb des Körpers.
Damit kann in Zukunft eine Nabelschnurblurprobe so "angereichert" werden, daß sie für mehr
als nur ein Transplantat zur Verfügung steht. Die über 700 bislang durchgeführten
nichtverwandten Nabelschnurbluttransplantationen wurden vorwiegend bei Kindern durchgeführt,
da die Bedingungen klinisch noch nicht eindeutig erforscht sind, unter denen die zur
Verfügung stehende Blutmenge, auch für Transplantationen von schwergewichtigen Patienten
(Erwachsenen) ausreicht. Die etwa 60 Nabelschnurbluttransplantationen bei Erwachsenen zeigen
jedoch, daß diese Behandlungsmethode auch bei ihnen schon jetzt zum Erfolg führen kann.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der Nabelschnurblut-Bank der Universität Düsseldorf
Quelle: Holger Bassarek, www.leukaemie-kmt.de
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